Geschichte & Hintergründe

Niederlauterbach im Licht der Geschichte

Bayern wurde im 8 Jahrhundert unter Herzog Odilo in 4 Bistümer aufgeteilt, aufgebaut auf ein Kloster: Salzburg, Regensburg, Freising und Passau. Und so war der Abt vom Kloster St. Emmeram in den folgenden Jahrzehnten immer zugleich Bischof von Regensburg und der Besitz des Klosters St. Emmeram auch Besitz des Bistums.

Doch lagen neben Machtpolitik und Egoismus die Hauptmotive der Klostergründungen und Schenkungen im Religiösen, nämlich: Sicherung des ewigen Heils, Flucht vor der Welt, ewige Ruhe für die Verstorbenen der Sippe.

Von diesem Geist erfüllt, war auch der Edle, mit Namen Sigfried. Seine Eltern besaßen in Niederlauterbach einen Adelssitz, ein Herrenhaus. Der mittlere Ilmgau und damit auch das Gebiet von Lauterbach gehörten im 9. Jahrhundert der edlen Sippe der Fagana, die ebenso wie das Herzogsgeschlecht der Agilolfinger zum bayerischen Adel gerechnet wird. Zu diesen adeligen Großgrundbesitzern der Fagana gehörte auch Sigfrieds Vater, Amalpreth.

Eine Urkunde vom 8. Februar 821, stellt Sigfried und alle Orte, wo er seine Güter hatte ins Licht der Geschichte. Wie damals üblich hatte der Edle Sigfried mit seinen Eltern ein Rodungskloster  Amalprethmünster = Engelbrechtsmünster, errichtet und einen umfangreichen Grundbesitz als Dotierung ausgesetzt.  Er selbst war Abt dieses Klosters.  821 übergab er nach längeren Verhandlungen sein Kloster und sein gesamtes Erbe der Abtei St. Emmeram in Regensburg.

Einleitend heißt es in dieser Urkunde: „Solange uns der barmherzige Gott das irdische Leben schenkt, dürfen wir des himmlischen nicht vergessen. Wir wollen daher unsere zeitlichen Güter aus Liebe zu Gott mit Herz und Hand an die Stätten der Heiligen geben……“ Weiter heißt es: „ Ich, Abt Sigfried, nicht wissend, was der kommende Tag bringt, habe mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, zum Heile meiner Seele, der Seelen meiner Eltern und Verwandten, durch deren Freigebigkeit dieses Ilmkloster aus Liebe zu Gott und zu Ehren des Hl. Benedikt gegründet wurde, meine Besitzungen an der Ilm, die ich ererbt habe, dem Kloster St. Emmeram zu übergeben, nämlich:

Hlutirinpah (Lauterbach) mit Kirche, Hof und Haus und allen Gebäuden und jeglichen Leibeigenen, mit Äckern, Wiesen, Weiden, Wald Weihern und deren Abflüssen, mag es kultiviert sein oder nicht.

Doch sollten all diese Güter zeitlebens Sigfried verbleiben und nach Sigfrieds Tod ein geeigneter Mann aus der eigenen Sippe oder ein Mönch aus Engelbrechtsmünster die dortige Abtswürde erhalten.

Aus der Urkunde können wir auch die Namen und Verhältnisse der Leibeigenen ersehen. Es waren 70 Leibeigene und Hörige in Lauterbach. Siegfried verschenkte in Lauterbach die Kirche mit einem Gut, Herrenhaus und Gebäuden mit schollengebundenen und ungebunden Leibeigenen.

Mit der Stiftung verband Sigfried unseren Ort über 1000 Jahre hindurch aufs engste mit dem Kloster St. Emmeram in Regensburg, in guten, wie in schlechten Zeiten. Es teilte St. Emmerams Verhängnis. Mit der Säkularisation (Verweltlichung) im Jahre 1803, der Aufhebung der Reichsabtei, verlor auch Niederlauterbach seine geistlichen Güter.

In mehreren Abhandlungen und Büchern kann die Geschichte unseres Heimatortes nachgelesen werden:

Adam Rottler – Rund um Lauterbach – erschienen 1968

AKN – Niederlauterbach – lebenswerte Heimat – erschienen 2008

Lorenz Reich – Niederlauterbach Geschichte und Geschichten – erschienen 2020

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